Argo (B. Affleck, US)
Eine Nebenepisode der Iranischen Revolution 1979 ist Vorlage für einen der spannendsten Filme im Wettbewerb: sechs Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Teheran können dem, die Botschaft stürmenden, Mob der Schah-Gegner entkommen und finden bei den Kollegen aus Kanada Zuflucht. Ein amerikanischer Krisenspezialist (Affleck) inszeniert eine angebliche Filmproduktion um das "Filmteam" aus dem Land zu schleusen.
Ben Affleck schafft mit Argo das Ungeahnte (zumindest für Menschen mit Affleck-Aversion): er kreiert einen tatsächlich aufregenden Film. Der Wahnwitz der Rettungsaktion und die allmählich beim Zuschauer auftretende Paranoia tanzen gegen Ende des Films derart wilde Reigen, dass man sich fragen muss, ob es überhaupt eine weniger aufregende Kombination für einen spannenden Plot gäbe.
Gäbe es den kaum überraschend narzisstischen Schluss nicht, wäre Argo wohl mein Tipp für die goldene Trophäe.
Beasts of the Southern Wild (B. Zeitlinh, US)
Ich glaube kaum, dass auch nur irgendjemand aus der Jury diesen fragilen, wunderschönen Kampfbomber auf dem Radar hatte.
Ben Zeitlinh, bekannt durch seinen wunderbaren Kurzfilm Glory at Sea, befühlt das Loch im amerikanischen Leib, das Hurrican Katrina einst hineinriss und zwar nicht kühl-analytisch aus einiger Entfernung betrachtet, sondern lässt den kleinsten Teil der skurrilen Wohngemeinschaft Bathtub sprechen, fühlen, kämpfen, toben und weinen (!).
Weil die Auerochsen, gigantische Fabelwesen aus Urzeiten, drohen, die Badewanne zu zerstören, muss sich die kleine Hushpuppy (Q. Wallis) als selbstständig beweisen. Ihr Vater hustet manchmal schlimm und kann sich manchmal nicht beherrschen, sich tot zu stellen. Als der große Sturm kommt, muss man sich Schwimmflügel anziehen und abwarten. Und dann muss man sich eben gegen die Auerochsen wehren. Eben deshalb. Weil schon Hushpuppys Mama eine waschechte Krokodiljägerin war.
Bei Beasts of the Southern Wild stimmt fast alles zusammen: herzerwärmende Dialoge sind auf talentierte Laienschauspieler getrimmt, die Szenenbilder könnte man ausnahmslos abphotographieren und sich ins Zimmer hängen, die Musik ist wunderschön.
Ja, die Musik ist wirklich wunderbar. Doch genau dieser Punkt stößt mich ab: der Soundtrack von Regisseur Zeitlinh ist in derart ausgeklügelter Weise klimaktisch emotional, dass man sich wünscht, den Film noch einmal ohne die Audio-Manipulation sehen zu können. Musikalische Dezenz hätte diesen Film perfektioniert.
Django Unchained (Q. Tarantino, US)
So. Das soll er also sein: Tarantinos letzter Film. Entschuldigung, das war vielleicht nicht deutlich genug: Quentin Jerome Tarantinos LETZTER FILM. Der letzte Film eines Regisseurs, der - geschätzt - wohl die meisten Dialoge und WG-Wände benerdbrillter Studenten der ganzen westlichen Welt geprägt hat. Der letzte Film eines Regisseurs, der sich und das Kino per se jahrelang gefeiert hat. Was dazu führte, dass sich Jugendliche plötzlich wieder mit Filmen beschäftigten, für die sie vorher sehr wahrscheinlich nur Spott übrig gehabt hätten. Ergo: der letzte Film eines popkulturellen Lehrmeisters einer breiten Masse von westlichen Popcornessern, die tief bis in den Mainstream hineinragt.
Ich brauche nicht zu erwähnen, wie wichtig popkulturelle Bildung ist, aber daraus ergibt sich der Stellenwert eines Tarantino-Films.
Nun also ein echter Western. Wer Tarantinos Œuvre kennt, wird wissen, wie oft er mit dem Genre kokettiert hat, wie häufig Morricone verwendet wurde und wie spaghettiwestern die Kamera geführt wurde. Deshalb ist es nur einleuchtend, sich nun dem Genre noch einmal mit vollem Ehrgeiz zu widmen.
Dr. King Schultz (C. Waltz) ist Kopfgeldjäger und befreit Django (J. Foxx) aus der Gefangenschaft, weil dieser das Erscheinungsbild seiner nächsten Beute kennt. Sehr zum Nachteil der Beute. Zum Zeichen seines Dankes hilft Schultz seinem neuen Kollegen, dessen Frau Broomhilda (K. Washington) aus den Händen des Plantagenbesitzers Candie (L. DiCaprio) zu befreien.
Django Unchained macht dem Zuschauer Angst. Sehr oft. Weil der amerikanische Mensch des 19. Jahrhunderts den afrikanischen Menschen des 19. Jahrhunderts zum Tier macht. Und der Mensch an sich hält sich Tiere nicht, weil er sie für ebenbürtig hält, sondern, weil sie nützen. Auf dem Feld zum Beispiel. Oder zum Kämpfen. Oder der Prestige wegen.
Tarantino soll gesagt haben, dass das Amerika aus Django Unchained an Deutschland aus Inglourious Basterds (US/D, 2009) erinnern soll. Vielleicht macht der Film deshalb beklommen.
Doch ebenso macht er Spaß. Er ist gespickt von schauspielerischen Glanzleistungen (Gratulation an DiCaprio, der endgültig bewiesen hat, dass er bevorzugt anspruchsvolle Rollen beherrscht), stimmige Szenebilder und natürlich befriedigend tarantinöse Dialoge und Gewaltdarstellungen.
Ganz an Sergio Corbuccis Vorlage Django (Italien, 1966) angelehnt, spielt der Bodycount eine große Rolle zur Definition der Heldenhaftigkeit des Helden. Zwar hat Tarantino die berühmte Ohren-Szene schon in Reservoir Dogs (1992) zitiert, doch Tarantino steht, genau wie Corbucci, für kontrollierten, aber ausreichend makabren, Splatter. Und darum liegt der arme Johnny wahrscheinlich noch heute in Calvin Candies Hausflur und schimpft, weil in seinem bösen Knie unzählige Pistolenkugeln verschwinden.
Tarantino ist sich mit Django Unchained treu geblieben. Er ist sich vielleicht sogar näher gekommen.
Man möchte sich eigentlich gar nicht vorstellen, wohin Tarantinos Lebensweg führen mag, wenn er nicht auf Zelluloid beschritten wird. Man tut es dann doch und sieht eigentlich wieder nur Zelluloid.
Quentin, mach kein' Scheiß!
nimm mir die illusion
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Mittwoch, 13. Februar 2013
Mittwoch, 19. Dezember 2012
Werkschau Christoph Schlingensief - Egomania – Insel ohne Hoffnung (D, 1986)
Eigentlich haben Sie bisher keinen Grund zur Klage, denn bis jetzt hatten wir in dieser Werkschau eigentlich ganz simple Themen behandelt: verrückte Filmwissenschaftler bei Tunguska und Vatermord bei Menu Total.
Bei Egomania - Insel ohne Hoffnung sieht das schon etwas anders aus:
Sally (Tilda Swinton) ist glücklich in ihrer Beziehung mit William (Uwe Fellensiek). Zusammen mit ihrem einzigen Kind leben sie in einer eisigen, menschenleeren Landschaft.
Menschen gibt es wahrscheinlich tatsächlich keine in dieser lebensfeindlichen Welt. Jedoch teilen sich Sally und William ihren Lebensraum mit einem geheimnisvollen Baron (Udo Kier) und seinen eigenartigen Begleiterinnen (Anna Fechter und Annastasia Kudelka). Bei näherem Hinsehen wird jedoch offenbar, dass es sich beim charmanten Baron wohl oder übel um die Tante Satans und bei den hysterischen Damen um Moiren-ähnliche Wesen handeln muss.
Baron Tante Teufel muss sich gleich mit mehreren Dämonen herumschlagen: zum Einen begehrt er die schöne Sally, zum Anderen die jüngere Moire Ria, welche ihn wiederum anstachelt, Sally zu demütigen, was diese allerdings an ihn binden soll. Klingt kompliziert? Ist es auch.
Denn bald ist Sally ohne Vater (umgebracht), Kind (entführt) und Liebhaber (durch Handauflegung lobotomiert) und, wie geplant, Tante Teufel gut gesonnen - jedoch nicht mit dem erhofften Ergebnis.
Letztendlich ist der Teufel an sich auch nur Mensch.
Oder ist der Mensch auch nur Teufel? ! Nein, kein Fragezeichen.
Der Mensch ist Teufel. Und nur so wird er sich gerecht. Durch seine Dämonen.
Ein anderes Weltende wird es nicht geben.
Was bei Egomania spannend ist, kann man wohl nicht genau spezifizieren. Es ist eine Mischung aus verschiedenen Dingen: da ist die mythologische Tragweite, die klaustrophobische (!) Atmosphäre in der völligen Weite der Hallig, die großartige schauspielerische Leistung von Kier, Fechter und Swinton (speziell Udo Kier, der wohl schönste Mann der Welt, spielt sich mit einer verachtenswerten Rolle um Kopf und Kragen - Egomania enthält die wohl bekannteste Schlingensief-Szene: den Kampf zwischen Kier und Swinton in der eiskalten Nordsee).
Aber vielleicht sind es auch die Zwischentöne, die einen so anrühren: vielleicht spürt man einfach gerade die positiven und negativen Spannungen, die im Entstehungsprozess dieses Film entstanden: die frisch knospende Liebe zwischen Schlingensief und Swinton, die Probleme, ein Team zusammenzustellen, der überraschende Eisregen, der fast zum Abbruch der Produktion führte, die Fast-Amputation beider Beine Tilda Swintons, das Heischen nach Aufmerksamkeit durch Udo Kier.
Es muss ein Mischprodukt aller dieser Faktoren gewesen sein.
Ein Mischprodukt verschiedener Dämonen.
Wieder ist Schlingensiefs Slogan "der Film als Trauma" rezent.
Ein Film, der durch seine Dämonen erst richtig aufgeladen wird.
Ein anderes Weltende wird es nicht geben.
Bei Egomania - Insel ohne Hoffnung sieht das schon etwas anders aus:
Sally (Tilda Swinton) ist glücklich in ihrer Beziehung mit William (Uwe Fellensiek). Zusammen mit ihrem einzigen Kind leben sie in einer eisigen, menschenleeren Landschaft.
Menschen gibt es wahrscheinlich tatsächlich keine in dieser lebensfeindlichen Welt. Jedoch teilen sich Sally und William ihren Lebensraum mit einem geheimnisvollen Baron (Udo Kier) und seinen eigenartigen Begleiterinnen (Anna Fechter und Annastasia Kudelka). Bei näherem Hinsehen wird jedoch offenbar, dass es sich beim charmanten Baron wohl oder übel um die Tante Satans und bei den hysterischen Damen um Moiren-ähnliche Wesen handeln muss.
Baron Tante Teufel muss sich gleich mit mehreren Dämonen herumschlagen: zum Einen begehrt er die schöne Sally, zum Anderen die jüngere Moire Ria, welche ihn wiederum anstachelt, Sally zu demütigen, was diese allerdings an ihn binden soll. Klingt kompliziert? Ist es auch.
Denn bald ist Sally ohne Vater (umgebracht), Kind (entführt) und Liebhaber (durch Handauflegung lobotomiert) und, wie geplant, Tante Teufel gut gesonnen - jedoch nicht mit dem erhofften Ergebnis.
Letztendlich ist der Teufel an sich auch nur Mensch.
Oder ist der Mensch auch nur Teufel
Der Mensch ist Teufel. Und nur so wird er sich gerecht. Durch seine Dämonen.
Ein anderes Weltende wird es nicht geben.
| Tilda Swinton und Udo Kier |
Aber vielleicht sind es auch die Zwischentöne, die einen so anrühren: vielleicht spürt man einfach gerade die positiven und negativen Spannungen, die im Entstehungsprozess dieses Film entstanden: die frisch knospende Liebe zwischen Schlingensief und Swinton, die Probleme, ein Team zusammenzustellen, der überraschende Eisregen, der fast zum Abbruch der Produktion führte, die Fast-Amputation beider Beine Tilda Swintons, das Heischen nach Aufmerksamkeit durch Udo Kier.
Es muss ein Mischprodukt aller dieser Faktoren gewesen sein.
Ein Mischprodukt verschiedener Dämonen.
Wieder ist Schlingensiefs Slogan "der Film als Trauma" rezent.
Ein Film, der durch seine Dämonen erst richtig aufgeladen wird.
Ein anderes Weltende wird es nicht geben.
Freitag, 30. November 2012
Werkschau Christoph Schlingensief - Menu Total (D, 1985/86)
Der zweite Film, Menu Total, war mein erster Kontakt mit Christoph Schlingensief.
Damals, ich muss so 16 Jahre alt gewesen sein, ließ ich mich von der DVD-Beschriftung "mit: Helge Schneider" beeindrucken und kaufte blind ein.
Meine erste Reaktion könnte man mit "blankem Entsetzen" umschreiben. Ich erkannte den trockenen Jazz Schneiders, die dazu gelieferten Bilder konnte ich jedoch nicht einordnen. Nach 25-30 Minuten Film ergab sich bei jedoch mir ein Gefühl von Verständnis, ja, selbst ein Gefühl des Genusses stellte sich ein. Meine Freude am Konfliktfilm war geboren. Helge hatte mich dazu überredet, Alfred Edel die Leibesertüchtigung geleistet und Christoph Schlingensief dabei die Hebamme gespielt.
Zur Handlung (sofern ich das verstanden hab):
Joe (Helge Schneider) hat es nicht leicht: sein Vater (Joe Bausch, ja, derselbige) missbraucht ihn und seine tetraplegische Mutter regelmäßig, seine Großeltern (u.a. Anna Fechter) handeln mit obskurem, pulsierendem (Menschen?-) Fleisch und seine Freundin Evi (Volker Bertzky, der, wie immer, mit struppigem Vollbart spielt,) geht fremd. Joe rebelliert gegen diese Welt und wird zu Dr. de Pen (Dietrich Kuhlbrodt) überstellt, welcher sogleich, gemeinsam mit Kollegen Cuca (Alfred Edel) abstrakte Versuche an ihm durchführt.
Ganz klar: Joe wird größenwahnsinnig, redet nur noch im Stil des Führers, rettet Evi und bringt die ganze, verkommene Familie um. Sind eh alles Nazizombies mit Gammelfleisch-Fetisch.
Letztendlich: Happy End!
Zum zweiten Mal und wie so oft auch in den folgenden Filmen darf man die schauspielerische Leistung Alfred Edels loben. Mit solchem Körpereinsatz haben sich die wenigsten renommierten Schauspieler in mein Gedächtnis gekotzt. Als nicht ganz so stark wie Edel erachte ich die Leistung des erstmalig auftretenden Dietrich Kuhlbrodts, welcher allerdings in nachfolgenden Werken seine Stärken zeigen wird.
Was an Menu Total so beeindruckt ist die intensive Behandlung der etlichen Komplexe, die dem jungen Schlingensief hier beachtenswert erscheinen: Nazi-Vergangenheit und Krieg, Jugendwahn, deutsches Kino, Kannibalismus, etc. Selbst die bürgerliche Nachkriegs-Dekadenz geht nicht unbefangen aus diesem deutschen Unsittengemälde hervor.
Vater Schlingensief war bei der Premiere tief erschüttert. Und Wim Wenders hat nicht mal eine Viertel Stunde ausgehalten. Trotzdem ists wohl einer von Schlingensiefs Besten.
Einfach, weil er's wagt.
Damals, ich muss so 16 Jahre alt gewesen sein, ließ ich mich von der DVD-Beschriftung "mit: Helge Schneider" beeindrucken und kaufte blind ein.
Meine erste Reaktion könnte man mit "blankem Entsetzen" umschreiben. Ich erkannte den trockenen Jazz Schneiders, die dazu gelieferten Bilder konnte ich jedoch nicht einordnen. Nach 25-30 Minuten Film ergab sich bei jedoch mir ein Gefühl von Verständnis, ja, selbst ein Gefühl des Genusses stellte sich ein. Meine Freude am Konfliktfilm war geboren. Helge hatte mich dazu überredet, Alfred Edel die Leibesertüchtigung geleistet und Christoph Schlingensief dabei die Hebamme gespielt.
Zur Handlung (sofern ich das verstanden hab):
Joe (Helge Schneider) hat es nicht leicht: sein Vater (Joe Bausch, ja, derselbige) missbraucht ihn und seine tetraplegische Mutter regelmäßig, seine Großeltern (u.a. Anna Fechter) handeln mit obskurem, pulsierendem (Menschen?-) Fleisch und seine Freundin Evi (Volker Bertzky, der, wie immer, mit struppigem Vollbart spielt,) geht fremd. Joe rebelliert gegen diese Welt und wird zu Dr. de Pen (Dietrich Kuhlbrodt) überstellt, welcher sogleich, gemeinsam mit Kollegen Cuca (Alfred Edel) abstrakte Versuche an ihm durchführt.
Ganz klar: Joe wird größenwahnsinnig, redet nur noch im Stil des Führers, rettet Evi und bringt die ganze, verkommene Familie um. Sind eh alles Nazizombies mit Gammelfleisch-Fetisch.
Letztendlich: Happy End!
Zum zweiten Mal und wie so oft auch in den folgenden Filmen darf man die schauspielerische Leistung Alfred Edels loben. Mit solchem Körpereinsatz haben sich die wenigsten renommierten Schauspieler in mein Gedächtnis gekotzt. Als nicht ganz so stark wie Edel erachte ich die Leistung des erstmalig auftretenden Dietrich Kuhlbrodts, welcher allerdings in nachfolgenden Werken seine Stärken zeigen wird.
Was an Menu Total so beeindruckt ist die intensive Behandlung der etlichen Komplexe, die dem jungen Schlingensief hier beachtenswert erscheinen: Nazi-Vergangenheit und Krieg, Jugendwahn, deutsches Kino, Kannibalismus, etc. Selbst die bürgerliche Nachkriegs-Dekadenz geht nicht unbefangen aus diesem deutschen Unsittengemälde hervor.
Vater Schlingensief war bei der Premiere tief erschüttert. Und Wim Wenders hat nicht mal eine Viertel Stunde ausgehalten. Trotzdem ists wohl einer von Schlingensiefs Besten.
Einfach, weil er's wagt.
Sonntag, 25. November 2012
Werkschau Christoph Schlingensief - Tunguska – Die Kisten sind da (D, 1984)
Der durch Sibirien führende Fluss Tunguska, um genauer zu sein die steinige Tunguska, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schauplatz einer Reihe mysteriöser Explosionen, deren Ursprung und Hergang bis heute ungeklärt ist. Schlingensiefs Debütfilm "Tunguska - Die Kisten sind da" ist deshalb vielleicht auch entsprechend gut betitelt, denn hier knallt es ebenfalls und zischt - und verraucht letztendlich in der Eiswüste.
Rolf (Matthias Colli) und Tina (Irene Fischer, bekannt aus der Lindenstraße) sind ein junges Paar auf der Reise durch Norwegen. Als ihnen ein mysteriöser Tankwart (wie immer hysterisch: Volker Bertzky aka. Sergej Gleithmann) Benzin verweigert, beginnt die Odyssee der Beiden: sie übernachten bei einem traumatisierten Waisenkind (Norbert Schliewe), welcher, zusammen mit seiner Eule, den örtlichen Seelsorger und Major Pater Hilf (Christoph Schlingensief) mit seinem Auto überfährt.
Geschockt verlassen Rolf und Tina die Gegend, nur um von einer Forschergruppe aufgenommen zu werden. Mangels Benzin bleibt es bei der Notlösung: man wird Teil eines Experiments und hilft, wo man kann.
Bei den dreien handelt es sich um Filmforscher. Und die Frage nach der Befindlichkeit des Menschen wird beantwortet, indem man Eingeborene (das Waisenkind Norbert kommt da leider nur zu gelegen) zum Wahnsinn foltert. Und zwar mit deutscher Avantgarde.
Ein Entkommen: unmöglich. Eine Lösung: gibt es nicht.
Wahrscheinlich ist, dass beim Fertigstellen von Tunguska eine große deutsche Filmvergangenheit bewältigt werden sollte: der Heimatfilm, der politische, zuweilen ideologische Film, selbst das abstrakte Dadaismus-Kino werden allesamt aufs Korn genommen. Das Forscherteam, bestehend aus Anna Fechter, dem großartigen Alfred Edel und der kuhlbrodteske Vladimir Konetzny, sieht sich als Bastion des europäischen Intellektualismus und quält den unwissenden Pechvogel. Dies ist, so Schlingensief im Interviewfilm von Frieder Schlaich (2004), ein Seitenhieb gegen den Elitarismus-Gedanken der Avantgarde-Szene rund im Werner Nekes. Einen Chauvinismus, der es nicht zuließ, eine Geschichte angemessen zu erzählen. Und dementsprechend zerstörerisch ist dann auch der Avantgardefilm, mit dem Norbert gequält wird. So zerstörerisch, dass nicht einmal das Material es erträgt. Immer wieder und immer öfter: brennende Filmstreifen, Kratzer im Bild, Bildsprünge, kreischende Tonspuren. Die Dekonstruktion des deutschen Kinos hat sich selbst herbeigeführt. Sie ist geboren aus jahrelangem cineastischem Unsinn und elitärer Soße.
Schlingensief hat für diesen Punkt im Zeitstrahl der deutschen Filmgeschichte ein Konzept, einen Namen gefunden.
Für ihn ist es der "Film als Neurose."
Tunguska stellt den großartigen Beginn einer Filmographie dar, die in der deutschen Kinokultur dasteht wie keine andere.
Rolf (Matthias Colli) und Tina (Irene Fischer, bekannt aus der Lindenstraße) sind ein junges Paar auf der Reise durch Norwegen. Als ihnen ein mysteriöser Tankwart (wie immer hysterisch: Volker Bertzky aka. Sergej Gleithmann) Benzin verweigert, beginnt die Odyssee der Beiden: sie übernachten bei einem traumatisierten Waisenkind (Norbert Schliewe), welcher, zusammen mit seiner Eule, den örtlichen Seelsorger und Major Pater Hilf (Christoph Schlingensief) mit seinem Auto überfährt.
Geschockt verlassen Rolf und Tina die Gegend, nur um von einer Forschergruppe aufgenommen zu werden. Mangels Benzin bleibt es bei der Notlösung: man wird Teil eines Experiments und hilft, wo man kann.
Bei den dreien handelt es sich um Filmforscher. Und die Frage nach der Befindlichkeit des Menschen wird beantwortet, indem man Eingeborene (das Waisenkind Norbert kommt da leider nur zu gelegen) zum Wahnsinn foltert. Und zwar mit deutscher Avantgarde.
Ein Entkommen: unmöglich. Eine Lösung: gibt es nicht.
Wahrscheinlich ist, dass beim Fertigstellen von Tunguska eine große deutsche Filmvergangenheit bewältigt werden sollte: der Heimatfilm, der politische, zuweilen ideologische Film, selbst das abstrakte Dadaismus-Kino werden allesamt aufs Korn genommen. Das Forscherteam, bestehend aus Anna Fechter, dem großartigen Alfred Edel und der kuhlbrodteske Vladimir Konetzny, sieht sich als Bastion des europäischen Intellektualismus und quält den unwissenden Pechvogel. Dies ist, so Schlingensief im Interviewfilm von Frieder Schlaich (2004), ein Seitenhieb gegen den Elitarismus-Gedanken der Avantgarde-Szene rund im Werner Nekes. Einen Chauvinismus, der es nicht zuließ, eine Geschichte angemessen zu erzählen. Und dementsprechend zerstörerisch ist dann auch der Avantgardefilm, mit dem Norbert gequält wird. So zerstörerisch, dass nicht einmal das Material es erträgt. Immer wieder und immer öfter: brennende Filmstreifen, Kratzer im Bild, Bildsprünge, kreischende Tonspuren. Die Dekonstruktion des deutschen Kinos hat sich selbst herbeigeführt. Sie ist geboren aus jahrelangem cineastischem Unsinn und elitärer Soße.
Schlingensief hat für diesen Punkt im Zeitstrahl der deutschen Filmgeschichte ein Konzept, einen Namen gefunden.
Für ihn ist es der "Film als Neurose."
Tunguska stellt den großartigen Beginn einer Filmographie dar, die in der deutschen Kinokultur dasteht wie keine andere.
Beginn der Werkschau Christoph Schlingensief
An dieser Stelle möchte ich Christoph Schlingensief mit Rezensionen seiner Dokumentationen und Kurz- und Langspielfilme ein kleines Denkmal setzen.
Schlingensiefs narratorische und Regie-Arbeit stehen in der deutschen Filmlandschaft für sich:
verquere, weil symptomatische, Charaktere, zeitgenössische Diskurse, eine ungeschönte Matrix, auf welcher er unsere Welt abbildet. Und in allem steckt viel Verbissenheit und ein absoluter Drang zur Suche nach absoluter Wahrheit.
Die Rezensionen sollen versuchen, einen Schlüssel zum Werk Schlingensiefs zu geben und im besten Fall anregend sein, sich selbst einmal mit den Filmen und Ideen des Oberhausener Querdenkers zu beschäftigen.
(Bildquelle: filmgalerie451)
Schlingensiefs narratorische und Regie-Arbeit stehen in der deutschen Filmlandschaft für sich:
verquere, weil symptomatische, Charaktere, zeitgenössische Diskurse, eine ungeschönte Matrix, auf welcher er unsere Welt abbildet. Und in allem steckt viel Verbissenheit und ein absoluter Drang zur Suche nach absoluter Wahrheit.
Die Rezensionen sollen versuchen, einen Schlüssel zum Werk Schlingensiefs zu geben und im besten Fall anregend sein, sich selbst einmal mit den Filmen und Ideen des Oberhausener Querdenkers zu beschäftigen.
(Bildquelle: filmgalerie451)
Samstag, 17. November 2012
Stephen King Double Feature (Kabel 1): Thinner - Der Fluch (US, 1996) / Schlafwandler (US, 1992)
Wer behauptet, über die Feiertage käme nix gescheites im TeVau, dem gehört eine gescheuert. Über ein schlechtes Osterprogramm konnte man sich wahrlich nicht beschweren in diesem Jahr.
Da reihten sich der vierte Teil von Harry Potter und diverse Disney-Evergreens an die Literaturverfilmung von Schlafes Bruder und diese an den Öl-Bombast There will be Blood, welcher wiederum dem eher mittelmäßigen James Bond: Ein Quantum Dings die Klinke in die Hand gab.Gekrönt wurde das Festprogramm mit der Cash-Biographie Walk the Line.
Die Fernsehsender haben sich also wieder einmal gegenseitig übertroffen und Quotenmagneten eingekauft, einer größer und sensationeller als der andere.
Drum sei es dem Kabel1-Programmchef vergönnt, auf eher schmutzige, kleine Filmchen zurückzugreifen (klar, denn das Geld is wegen Knockin on Heavens Door, Samstag, 20.15 Uhr, längst weg!), jedoch, wenn es schon damit nicht weit her ist, mit einem großen Namen zu locken.
Also gut, nehmen wir zwei Stephen-King-Verfilmungen. Warum nicht?
Naja, vielleicht, weil Sat.1 mit Dreamcatcher bereits am Freitag schon einen King gebracht hat?
Nicht zu vergessen die Wiederholung am Samstag...
Egal. Dann eben nicht Dreamcatcher. Lieber was Altes.
Wie wärs mit Carrie? Ach, nein, der kam erst vor wenigen Tagen, das lassen wir lieber. Hm, Friedhof der Kuscheltiere passt eher zu Halloween...
Ach, klar: die Fastenzeit ist zu Ende, die ganzen runtergemagerten Menschen können sich jetzt wieder vollfressen, perfekter Bezug zu Thinner - Der Fluch!
Ein Fluch ist die Fastenzeit ja schon.
Einen Fluch bekommt auch der übergewichtige Bill von einem alten Zigeuner (!) angehängt, nachdem er dessen Tochter überfährt.
Eindeutig stigmatisierend (passt auch wieder!) ist dieses Schauerstück aus der Feder von Richard Bachman aka. Stephen King und aus der Regie von Tom Holland, dessen Namen man sich nicht merken muss, es sei denn man fand schon Chucky die Mörderpuppe gut.
Würg. Naja, dann betreten wir eben mit dem zweiten Film ein ganz anderes Genre: und zwar Fantasy!!
Mick Garris (passionierter King-Verfilmer, gähn) hat sich eine unveröffentlichte Geschichte von Stephen King geschnappt und diese niemals romanfähige Story von einem inzestuösen Verhältnis einer Mutter, die eigentlich ein Katzenmonster mit Superkräften ist und Jungfrauen-Energie zum Überleben braucht zu ihrem Sohn, der eigentlich auch ein Katzenmonster mit Superkräften ist und Jungfrauen für Mama ankarren muss.
(Natürlich alles mit Kennenlernen und so, klar. Kein Girlie lässt sich einfach so in der Disco abschleppen und dann von der Mama vom Stecher totsaugen, also bitte.
Aber klar, dass bei dieser zeitaufwändigen Essensbeschaffung die Mutter ungefähr drei Viertel des Filmes schreien muss: "Ich vergeeeeeeeeeheeeeeeee!". Am Schluss hat man sogar Verständnis für die hungrige Mutti... die den Leckerbissen Jungfrau dann aber plötzlich doch lieber großherzig ihrem halbtoten Sohn überlässt... da hört das Verständnis schon wieder auf.)
Ach ja, hab ich erwähnt, dass Katzenmonstermütter und -söhne Angst vor echten Katzen haben? Nein? Is aber logisch, oder?
So. Diese Story hat Garris mit ein bisschen CGI erst zu einem miserablen Spielfilm aufgepumpt, sie mit stellenweise ganz okayer Besetzung festgetackert und alles mit schlechten Dialogen wieder kaputt gemacht. Beispiel: Polizist bekommt Bleistift vom Katzenmonstersohn in den Kopf gerammt, Jungfrau, die wegrennen sollte sagt nur "Gibts doch nicht."
Glücklicherweise hat Garris aber eines goldrichtig gemacht:
mit der Figur des Sheriffs Andy Simpson hat er einen originären King-Charakter in all seiner unbestechlichen Echtheit beibehalten und wer schon einmal einen King-Roman wie ES gewälzt hat, der weiß, wovon ich spreche.
Die Ambivalenz des lebensfrohen aber schrecklich einsamen, afroamerikanischen Sheriffs, der seine Katze Clovis mit zur Arbeit nimmt, um Jemanden zum Reden zu haben, ist viel interessanter als all die Spezialeffekte, viel viel interessanter als die leider nicht mehr nur latente Erotik zwischen den Katzenmonsterfamilienmitglieder, und viiel viel viel interessanter als die mythische Klamotte, die King seinen Lesern dann wohl doch nicht antun und die Garris der Menschheit dann doch unter die Nase reiben wollte, nur Gott weiß, warum.
Überhaupt stellt die Figur des Katzenliebhabers und Gesetzeshüters Simpson die einzige vieldimensionale Figur in Schlafwandler dar und man leidet mit ihm, als er auf unrühmliche Weise aus dem Leben und *schnüff* dieser Geschichte scheiden muss.
Das ist schon der einzige Punkt im Film, an dem man wünscht, näher am Geschehen beteiligt zu sein: man möchte des Sheriffs fortan herrenlose Katze Clovis im Kampf gegen die Inzestkatzenmonstermenschen unterstützen. Man jubelt mit ihr und ihrer Echtkatzenarmee, als es gelingt.
Und dann ist auch klar: der kleine Clovis rächt im Showdown des Films quasi Stephen King höchstselbst, er greift nämlich das Monster Unoriginalität an. Dessen Maske besteht aus CGI. Und dahinter steckt nichts als grenzenlose Ideenlosigkeit.
Freitag, 16. November 2012
Taxi Driver (US, 1976)
Ich weiß, ich weiß: Taxi Driver gehört zu den Filmen, die man gesehen haben muss.
Und, ja, hiermit gebe ich zu, ich war bis vor kurzem von diesem Stück Filmgeschichte unberührt geblieben.
Also gut, Film ausgeliehen, angeguckt. Paff.
Nungut, die Handlung: Travis Bickle (Robert de Niro) ist ein junger, insomnischer Mann, der sich die Nächte durch mit Taxifahren die Portokasse aufbessert.
Doch Travis hat in den Jahren verlernt, mit Problemen umzugehen, verhält sich im Umgang mit Frauen seltsam und verschreckt so die meisten, mit denen er zu tun hat.
Bis er auf Iris (Jodie Foster) trifft, eine zwölfjährige Prostituierte. Von ihrem Schicksal und der Kriminalität seiner Heimat Manhattan zunehmend schockiert, beschließt er, etwas gegen die Boshaftigkeit der Menschen zu unternehmen, da er das Vertrauen in Politik und gesunden Menschenverstand verloren hat.
Doch vielmehr verliert Travis den Verstand:
Er, ein Ex-Marine, rüstet sich mit einem mittelgroßen Waffenarsenal aus, baut und bastelt und begibt sich in den Kampf gegen das Verbrechen.
Zunächst hält er den Präsidentschaftskandidat Palantine für den Grund allen Übels, doch sein Attentat missglückt.
Also muss der Zuhälter (Harvey Keitel) von Iris hinhalten. Und die ganze Zuhälterschar. Inklusive Stammkundschaft aus dem Mafiamilieu.
Und, ja, hiermit gebe ich zu, ich war bis vor kurzem von diesem Stück Filmgeschichte unberührt geblieben.
Also gut, Film ausgeliehen, angeguckt. Paff.
Nungut, die Handlung: Travis Bickle (Robert de Niro) ist ein junger, insomnischer Mann, der sich die Nächte durch mit Taxifahren die Portokasse aufbessert.
Doch Travis hat in den Jahren verlernt, mit Problemen umzugehen, verhält sich im Umgang mit Frauen seltsam und verschreckt so die meisten, mit denen er zu tun hat.
Bis er auf Iris (Jodie Foster) trifft, eine zwölfjährige Prostituierte. Von ihrem Schicksal und der Kriminalität seiner Heimat Manhattan zunehmend schockiert, beschließt er, etwas gegen die Boshaftigkeit der Menschen zu unternehmen, da er das Vertrauen in Politik und gesunden Menschenverstand verloren hat.
Doch vielmehr verliert Travis den Verstand:
Er, ein Ex-Marine, rüstet sich mit einem mittelgroßen Waffenarsenal aus, baut und bastelt und begibt sich in den Kampf gegen das Verbrechen.
Zunächst hält er den Präsidentschaftskandidat Palantine für den Grund allen Übels, doch sein Attentat missglückt.
Also muss der Zuhälter (Harvey Keitel) von Iris hinhalten. Und die ganze Zuhälterschar. Inklusive Stammkundschaft aus dem Mafiamilieu.
Ein Blutbad später steht der todessehnsüchtige Travis plötzlich als Held der Nation da, Zeitungen berichten von ihm, Iris' Eltern danken ihm von Herzen für die Errettung ihrer Tochter.
Martin Scorsese hat mit Taxi Driver einen Film mit unvergesslichen Bildern geschaffen. Auch das Drehbuch und die Dialogreihen sind hervorzuheben.
Travis kann den Hass auf den Straßen nicht ertragen. Das ist zu viel für den harten Ex-Marine, der doch nur ein kleiner Bub ist, der Ungerechtigkeiten nicht ertragen will und Cowboy spielen will. (Hinweis: die weltberühmte "You talkin' to me?"-Szene beweist das)
Und seine Schlaflosigkeit stachelt ihn noch an, denn er kann sich dem ganzen nicht entziehen.
Travis vollbringt mit seiner ungewollten, guten Tat einen Ausbruch aus seinem bisherigen Leben. Er will endlich wieder etwas tun, das Rumsitzen und Nichts-Tun-Können frisst ihn auf.
Ein Aufstand, wie er ihn tut, heilt ihn und die Welt.
Ist Taxi Driver also ein Appell an jeden Erdenbürger, der nicht zuschauen will, wie täglich Raub, Prostitution und Mord auf der Welt existieren?
Wohl eher nicht. Denn als Iris' Rächer wächst Travis über sich hinaus und wird zum Übermenschen: er kann nicht sterben.
Der Film bleibt einem lange im Hinterkopf als ein eindrucksvolles Portrait einer kaputten Welt und der orientierungslosen Bevölkerung, die sie produziert.
Und in der Tat: gesehen haben muss man ihn.
Martin Scorsese hat mit Taxi Driver einen Film mit unvergesslichen Bildern geschaffen. Auch das Drehbuch und die Dialogreihen sind hervorzuheben.
Travis kann den Hass auf den Straßen nicht ertragen. Das ist zu viel für den harten Ex-Marine, der doch nur ein kleiner Bub ist, der Ungerechtigkeiten nicht ertragen will und Cowboy spielen will. (Hinweis: die weltberühmte "You talkin' to me?"-Szene beweist das)
Und seine Schlaflosigkeit stachelt ihn noch an, denn er kann sich dem ganzen nicht entziehen.
Travis vollbringt mit seiner ungewollten, guten Tat einen Ausbruch aus seinem bisherigen Leben. Er will endlich wieder etwas tun, das Rumsitzen und Nichts-Tun-Können frisst ihn auf.
Ein Aufstand, wie er ihn tut, heilt ihn und die Welt.
Ist Taxi Driver also ein Appell an jeden Erdenbürger, der nicht zuschauen will, wie täglich Raub, Prostitution und Mord auf der Welt existieren?
Wohl eher nicht. Denn als Iris' Rächer wächst Travis über sich hinaus und wird zum Übermenschen: er kann nicht sterben.
Der Film bleibt einem lange im Hinterkopf als ein eindrucksvolles Portrait einer kaputten Welt und der orientierungslosen Bevölkerung, die sie produziert.
Und in der Tat: gesehen haben muss man ihn.
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