Samstag, 17. November 2012

Stephen King Double Feature (Kabel 1): Thinner - Der Fluch (US, 1996) / Schlafwandler (US, 1992)


Wer behauptet, über die Feiertage käme nix gescheites im TeVau, dem gehört eine gescheuert. Über ein schlechtes Osterprogramm konnte man sich wahrlich nicht beschweren in diesem Jahr.
Da reihten sich der vierte Teil von Harry Potter und diverse Disney-Evergreens an die Literaturverfilmung von Schlafes Bruder und diese an den Öl-Bombast There will be Blood, welcher wiederum dem eher mittelmäßigen James Bond: Ein Quantum Dings die Klinke in die Hand gab.
Gekrönt wurde das Festprogramm mit der Cash-Biographie Walk the Line.

Die Fernsehsender haben sich also wieder einmal gegenseitig übertroffen und Quotenmagneten eingekauft, einer größer und sensationeller als der andere.

Drum sei es dem Kabel1-Programmchef vergönnt, auf eher schmutzige, kleine Filmchen zurückzugreifen (klar, denn das Geld is wegen Knockin on Heavens Door, Samstag, 20.15 Uhr, längst weg!), jedoch, wenn es schon damit nicht weit her ist, mit einem großen Namen zu locken.

Also gut, nehmen wir zwei Stephen-King-Verfilmungen. Warum nicht?

Naja, vielleicht, weil Sat.1 mit Dreamcatcher bereits am Freitag schon einen King gebracht hat?
Nicht zu vergessen die Wiederholung am Samstag...

Egal. Dann eben nicht Dreamcatcher. Lieber was Altes.

Wie wärs mit Carrie? Ach, nein, der kam erst vor wenigen Tagen, das lassen wir lieber. Hm, Friedhof der Kuscheltiere passt eher zu Halloween...

Ach, klar: die Fastenzeit ist zu Ende, die ganzen runtergemagerten Menschen können sich jetzt wieder vollfressen, perfekter Bezug zu Thinner - Der Fluch!

Ein Fluch ist die Fastenzeit ja schon.

Einen Fluch bekommt auch der übergewichtige Bill von einem alten Zigeuner (!) angehängt, nachdem er dessen Tochter überfährt.
Eindeutig stigmatisierend (passt auch wieder!) ist dieses Schauerstück aus der Feder von Richard Bachman aka. Stephen King und aus der Regie von Tom Holland, dessen Namen man sich nicht merken muss, es sei denn man fand schon Chucky die Mörderpuppe gut.

Würg. Naja, dann betreten wir eben mit dem zweiten Film ein ganz anderes Genre: und zwar Fantasy!!

Mick Garris (passionierter King-Verfilmer, gähn) hat sich eine unveröffentlichte Geschichte von Stephen King geschnappt und diese niemals romanfähige Story von einem inzestuösen Verhältnis einer Mutter, die eigentlich ein Katzenmonster mit Superkräften ist und Jungfrauen-Energie zum Überleben braucht zu ihrem Sohn, der eigentlich auch ein Katzenmonster mit Superkräften ist und Jungfrauen für Mama ankarren muss.

(Natürlich alles mit Kennenlernen und so, klar. Kein Girlie lässt sich einfach so in der Disco abschleppen und dann von der Mama vom Stecher totsaugen, also bitte.

Aber klar, dass bei dieser zeitaufwändigen Essensbeschaffung die Mutter ungefähr drei Viertel des Filmes schreien muss: "Ich vergeeeeeeeeeheeeeeeee!". Am Schluss hat man sogar Verständnis für die hungrige Mutti... die den Leckerbissen Jungfrau dann aber plötzlich doch lieber großherzig ihrem halbtoten Sohn überlässt... da hört das Verständnis schon wieder auf.)

Ach ja, hab ich erwähnt, dass Katzenmonstermütter und -söhne Angst vor echten Katzen haben? Nein? Is aber logisch, oder?

So. Diese Story hat Garris mit ein bisschen CGI erst zu einem miserablen Spielfilm aufgepumpt, sie mit stellenweise ganz okayer Besetzung festgetackert und alles mit schlechten Dialogen wieder kaputt gemacht. Beispiel: Polizist bekommt Bleistift vom Katzenmonstersohn in den Kopf gerammt, Jungfrau, die wegrennen sollte sagt nur "Gibts doch nicht."

Glücklicherweise hat Garris aber eines goldrichtig gemacht:
mit der Figur des Sheriffs Andy Simpson hat er einen originären King-Charakter in all seiner unbestechlichen Echtheit beibehalten und wer schon einmal einen King-Roman wie ES gewälzt hat, der weiß, wovon ich spreche.

Die Ambivalenz des lebensfrohen aber schrecklich einsamen, afroamerikanischen Sheriffs, der seine Katze Clovis mit zur Arbeit nimmt, um Jemanden zum Reden zu haben, ist viel interessanter als all die Spezialeffekte, viel viel interessanter als die leider nicht mehr nur latente Erotik zwischen den Katzenmonsterfamilienmitglieder, und viiel viel viel interessanter als die mythische Klamotte, die King seinen Lesern dann wohl doch nicht antun und die Garris der Menschheit dann doch unter die Nase reiben wollte, nur Gott weiß, warum.

Überhaupt stellt die Figur des Katzenliebhabers und Gesetzeshüters Simpson die einzige vieldimensionale Figur in Schlafwandler dar und man leidet mit ihm, als er auf unrühmliche Weise aus dem Leben und *schnüff* dieser Geschichte scheiden muss.

Das ist schon der einzige Punkt im Film, an dem man wünscht, näher am Geschehen beteiligt zu sein: man möchte des Sheriffs fortan herrenlose Katze Clovis im Kampf gegen die Inzestkatzenmonstermenschen unterstützen. Man jubelt mit ihr und ihrer Echtkatzenarmee, als es gelingt.
Und dann ist auch klar: der kleine Clovis rächt im Showdown des Films quasi Stephen King höchstselbst, er greift nämlich das Monster Unoriginalität an. Dessen Maske besteht aus CGI. Und dahinter steckt nichts als grenzenlose Ideenlosigkeit.


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