Freitag, 16. November 2012

Taxi Driver (US, 1976)

Ich weiß, ich weiß: Taxi Driver gehört zu den Filmen, die man gesehen haben muss.
Und, ja, hiermit gebe ich zu, ich war bis vor kurzem von diesem Stück Filmgeschichte unberührt geblieben.

Also gut, Film ausgeliehen, angeguckt. Paff.

Nungut, die Handlung: Travis Bickle (Robert de Niro) ist ein junger, insomnischer Mann, der sich die Nächte durch mit Taxifahren die Portokasse aufbessert.
Doch Travis hat in den Jahren verlernt, mit Problemen umzugehen, verhält sich im Umgang mit Frauen seltsam und verschreckt so die meisten, mit denen er zu tun hat.
Bis er auf Iris (Jodie Foster) trifft, eine zwölfjährige Prostituierte. Von ihrem Schicksal und der Kriminalität seiner Heimat Manhattan zunehmend schockiert, beschließt er, etwas gegen die Boshaftigkeit der Menschen zu unternehmen, da er das Vertrauen in Politik und gesunden Menschenverstand verloren hat.

Doch vielmehr verliert Travis den Verstand:
Er, ein Ex-Marine, rüstet sich mit einem mittelgroßen Waffenarsenal aus, baut und bastelt und begibt sich in den Kampf gegen das Verbrechen.
Zunächst hält er den Präsidentschaftskandidat Palantine für den Grund allen Übels, doch sein Attentat missglückt.
Also muss der Zuhälter (Harvey Keitel) von Iris hinhalten. Und die ganze Zuhälterschar. Inklusive Stammkundschaft aus dem Mafiamilieu.

Ein Blutbad später steht der todessehnsüchtige Travis plötzlich als Held der Nation da, Zeitungen berichten von ihm, Iris' Eltern danken ihm von Herzen für die Errettung ihrer Tochter.

Martin Scorsese hat mit Taxi Driver einen Film mit unvergesslichen Bildern geschaffen. Auch das Drehbuch und die Dialogreihen sind hervorzuheben.

Travis kann den Hass auf den Straßen nicht ertragen. Das ist zu viel für den harten Ex-Marine, der doch nur ein kleiner Bub ist, der Ungerechtigkeiten nicht ertragen will und Cowboy spielen will. (Hinweis: die weltberühmte "You talkin' to me?"-Szene beweist das)

Und seine Schlaflosigkeit stachelt ihn noch an, denn er kann sich dem ganzen nicht entziehen.

Travis vollbringt mit seiner ungewollten, guten Tat einen Ausbruch aus seinem bisherigen Leben. Er will endlich wieder etwas tun, das Rumsitzen und Nichts-Tun-Können frisst ihn auf.
Ein Aufstand, wie er ihn tut, heilt ihn und die Welt.

Ist Taxi Driver also ein Appell an jeden Erdenbürger, der nicht zuschauen will, wie täglich Raub, Prostitution und Mord auf der Welt existieren?
Wohl eher nicht. Denn als Iris' Rächer wächst Travis über sich hinaus und wird zum Übermenschen: er kann nicht sterben.

Der Film bleibt einem lange im Hinterkopf als ein eindrucksvolles Portrait einer kaputten Welt und der orientierungslosen Bevölkerung, die sie produziert.

Und in der Tat: gesehen haben muss man ihn.

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