Montag, 5. November 2012

Antichrist (DK, 2009)

Lars von Trier hat mit seinem “Therapiefilm” nicht nur seine Depression verarbeitet, sondern auch ein Filmerlebnis der besonderen Art geschaffen:

Ich habe selten einen Film gesehen, der zugleich so schön und so schrecklich war:
Dafoe und Gainsbourg mimen ein Paar in einer Krise, nämlich dem Tod ihres Kindes, aber eigentlich sind sie das Paar schlechthin. Sie sind Mann und Frau, alle Männlichkeit und alle Weiblichkeit der Welt. Adam und Eva.

Und von Trier zeichnet hier den wohl ältesten Konflikt der Menschheit nach, in seinem Garten Eden, wie die Frau (großartig: Charlotte Gainsbourg) den Wald nennt, in dem alle sexuelle Verstrickung ihren Anfang hat und ihr grausames Ende nimmt.

Das alles ist mit großartigen Dialogreihen und einem verstörenden Soundtrack garniert und in ein eklektische Psycho-Universum aus Psychoanalyse, Traumdeutung und Märchenwelt eingebettet.

Bemerkenswert ist die Kameraarbeit von Anthony Dod Mantle: die mit Hochgeschwindigkeitskameras aufgenommenen Höllenfahrten (Dusche, Tier-Szenen, Traumsequenzen) lassen die Bilder gleichzeitig höchst ästhetisch und ebenso furchterregend wirken.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass es einige sehr explizite Szenen gibt, die für einige Skeptiker der Grund für den Verdacht der Misogynie von Triers waren. Das ist richtig, diese Szenen sind nicht schön anzusehen, tragen aber essentiell zur Entwicklung der Figuren bei.

Insgesamt bietet der Film viel für Arthouse-Fans, Psychologiestudenten und Fans des Kunstfilms (denn das hier ist beinahe einer…).

Mit Abstand einer der stärksten europäischen Filme der letzten Jahre.

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