Dienstag, 6. November 2012

Short Cuts (US, 1993)

Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine Woche lang am Leben eines Menschen teilhaben. Am ganzen Leben. Dem Glamour und den Episoden, die man sich nicht ins Familienalbum kleben möchte.
Was würden Sie in Erfahrung bringen? Geldsorgen, Alkoholismus, Seitensprünge. Ab und zu einen Erfolg bei der Arbeit.
Und jetzt stellen Sie sich vor, dass Sie nicht nur eine Person beobachten können, sondern mehrere. Sie machen eine Woche Ups und Downs durch mit, sagen wir, 15 Personen.

Genau das ist Robert Altmans Short Cuts: eine praktische Verhaltensstudie einzelner durchschnittlicher Individuen der nordamerikanischen Gesellschaft Anfang der 1990er Jahre.

Das Interessante dabei ist nicht, dass alle Beobachtungsobjekte durch irgendwelche Ecken miteinander verwandt/bekannt/verschwägert/geschieden/verliebt/verhasst/Angelfreunde sind, sondern wie sehr sich die unterschiedlichen Krisen ähneln, die sich in Jedermanns Leben abspielen. Zwar spielt sich jedes Drama auf einem anderen Gebiet ab. Auch ist so mancher Streitpunkt gegen Ende des Films fast schon aus der Welt geschafft. Das Erschreckende ist dabei, zu merken, dass sich jeder um seine eigene Baustelle kümmern und somit davon ausgehen muss, dass dafür gerade der Cousin/die Schwester/der Angelfreund ins Inferno schlittert.

Am Ende kumulieren die verschiedenen Komplexe der 90er Gesellschaft in Los Angeles in einer großen Apokalypse, die sich in einem mittelgroßen Erdbeben versinnbildlicht. Und dass dieses Erdbeben aus ein wenig zwischenmenschlicher Seismik entstanden ist und dann doch Menschenleben fordert, das ist der Terror von Short Cuts.


P.S.: Eigentlich wollte ich das Eindeutige nicht aussprechen, aber: die Besetzung ist nur eines: perfekt!

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