Dienstag, 6. November 2012

Der freie Wille (D, 2006)

“Der freie Wille” wird nicht jeden Zuschauer befriedigen und das sei wörtlich gemeint.
Dieser Film macht einem Mühe, nicht auszuschalten.

Zum einen stößt dem Zuschauer die grobe Machart des Filmes auf:
die erdigen Farben, das grobkörnige Bild, die unverfrorene Art Gewalt zu zeigen.

Weiter sieht man Jürgen Vogel in einer der mutigsten und vielleicht unattraktivsten Rollen seines Lebens: der Vergewaltiger, der im wahren Leben fernab der Therapien und Theorien nicht zurechtkommt. Der sich noch immer nach dem befreienden Erlebnis der Vergewaltigung zurücksehnt, selbst, als er eine Liaison mit der Tochter seines Chefs beginnt.

Und schließlich kommt der Zuschauer nicht mit der Moral des Films zurecht. Der Moral des hilflosen, harmlosen Straftäters, der doch gar nichts dafür kann, wieder und immer wieder zu vergewaltigen.

Was will Glasner mit seinem fast dreistündigen Porträt aussagen? Will er den Akt der sexuellen Gewalt verharmlosen? Sicher nicht. Doch zumindest zeigt er sich empathisch für den Protagonisten, wenn er ihn seinem Schicksal zuführt. Doch allein ein prognostischer Film mag es kaum sein, ein Film der erklärt, wieso es beispielsweise in Deutschland immer und immer wieder zu Rückfällen von Straftätern kommt. Dafür ist er zu komplex, zu starr.

Lässt man die Frage nach dem weshalb zurück, bleiben letztendlich nur mulmige Gefühle, Anerkennung für die Hauptdarsteller und (leider) Skepsis mit dem Regisseur.
Und das ist recht wenig für so ein wichtiges Thema.

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