Sonntag, 4. November 2012

Shame (UK, 2011)

Brandon ist um die 30, attraktiv, beruflich erfolgreich und vor allem eines: sexsüchtig.
Sein ganzes, schönes, freies Junggesellen-Leben ist von dieser Sucht beeinflusst: Seine Browser-Startseite ist ein Sexchat, die Toilette am Arbeitsplatz ein gelegener Platz zum Onanieren, seine längste, ernsthafte Beziehung dauerte 4 Monate.
Doch dass nicht alles schön ist und Brandon nicht frei, ist bald klar. Spätestens, als seine Schwester Sissy plötzlich in der Dusche steht und ihrem "liebenden" Bruder verkündet, dass sie ab sofort bei ihm wohnt, weil ihr Mann sie rausgeschmissen hat. So weit, so schlecht.
Sissy macht es ihrem Bruder nicht leicht: sie beschämt ihn durch Porno-Funde, lernt seine, stets leicht bekleidete, Chat-Bekanntschaft kennen und überrascht ihn beim Masturbieren im Bad. Sie macht ihm keine Vorwürfe.
Als Sissy jedoch mit dem Chef ihres Bruders eine Liebelei anfängt, wird Brandon zum ersten Mal vor die Wahl gestellt: soll er sich treu bleiben oder endlich einmal Verantwortung übernehmen?

Shame ist das Psychogramm eines Hypersexuellen, der sich in einer übersexualisierten Welt zurechtfinden muss. Dies geschieht z.T. mit fragwürdigen dramaturgischen Wendungen, wenn Brandon beispielsweise eine Abfuhr im Heteroclub durch einen Besuch im Homoclub kompensieren muss (und diesen Fehltritt (?) wiederum durch eine gleich darauf folgende Hetero-Orgie wegkopuliert).
Shame bleibt nichtsdestotrotz stets brilliant inszeniert. Neben dem unvergesslichen Soundtrack kann ohne Zweifel das größte handwerkliche Lob hierbei vor allem an McQueens Kameramann Sean Bobbitt vergeben werden, der die Geschehnisse gekonnt in Werbefilm-Ästhetik packt und den Zuschauer im Innersten berührt und ihn gleichzeitig davor bewahrt, Voyeur zu werden.

Steve McQueen besetzt mit Michael Fassbender seinen Protagonisten nach dem IRA-Drama Hunger (2008) erneut goldrichtig.

Carey Mulligan gibt geradezu anbetungswürdig die Rolle der Sissy, die das "New York, New York" so wie noch keine zuvor singt und damit selbst ihren, ihr fremd gewordenen, Bruder erschüttert.

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