Insofern nichts ungewöhnliches für eine Literaturverfilmung. Das Gemeine daran ist, dass der Zuschauer von diesen Unzulänglichkeiten abgelenkt zu werden versucht wird, nämlich mit wilden Kamerafahrten durch den Pariser Bahnhof, ja selbst durch Schlüssellöcher und Uhrwerke. Und wer jetzt sagt, er habe solche Kamerafahrten schon gesehen, zum Beispiel in Panic Room, dem schnauzt Scorsese ein einfaches "Ja, aber nicht in 3D, ätsch!" hin.
Ja, die 3D-Technik ist groß angelegt in diesem Film. Und dennoch unnötig.
Nichtsdestotrotz ist Hugo Cabret ein wichtiger Film für den Wettbewerb, denn nach einer dreiviertel Stunde Mühsal folgt, einem herzförmigen Schlüssel gleichend, die Auflösung um die Motivation einen solchen Film zu drehen:
der Film selbst.
Das letzte Drittel des Films ist eine Art Unterrichtsstunde. Fach: Filmgeschichte.
In wunderbaren Bildern erfährt der Kinozuschauer mit seiner albernen 3D-Brille auf der Nase, was Kino eigentlich bedeutet: Wirklichkeit zu verwischen und Träume zu erschaffen. Drachen, Aliens, Fabelwesen wie selbstverständlich in die Quasi-Realität zu verfrachten, all das hatten die ersten Filmemacher schon drauf.
Gut zwanzig Jahre vor dem ersten Tonfilm.
Gut siebzig Jahre vor den ersten CGI.
Gut hundert Jahre vor der digitalen Revolution der Lichtspielhäuser.
Grund genug für jeden Zuschauer, sich an die eigene 3D-Brille zu fassen.
Hugo Cabret ist ein Aufschrei gegen die Kommerzialisierung. In 3D.
Und ist damit neben The Artist eine der wichtigsten Beiträge des Wettbewerbs.
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