Wow. Ein echter Trip.
Wer über die sprachliche Barriere hinwegkommen kann (danke, Soumya!), der wird sich wundern, warum er dennoch nichts versteht.
Die Handlung: der junge Om wächst in der kleinen Pilgerstadt Pushkar auf. Sein Vater, ein Beamter, hatte seine Stelle aufgegeben und war Hobby-Astrologe geworden. Dummerweise stellt er fest, dass sein Sohn in seinem 17. Lebensjahr sterben würde. Deshalb erhält er den bedeutungsschwangeren Namen Om (die Gebetssilbe im Hinduismus), um diesem Schicksal zu entrinnen.
Wir erleben die Jugend von Om als ereignisreich: im Unterricht tanzt man zu Liedern von Kaulquappen, die keine Frösche werden möchten, seine große Schwester möchte im Männerbereich des Kinos sitzen und muss sich ab sofort der Annäherungsversuche der ganzen männlichen Bevölkerung erwehren. Die meisten Chancen hat ein Freizeitpoet, der Sonnenuntergänge mit Kautabak-Schleim vergleicht. Die Frösche, die ein Schüler für den Biologieunterricht in der Klasse einsammelt, haben bei der Obduktion einen Diamanten im Bauch, weshalb die Hatz auf örtliche Amphibien eröffnet wird. Oms Nase verschlingt alle Worte aus dem Schulbuch, weshalb er mit seinen Taucherflossen in den Tempelteich umzieht. Grund genug für seinen Vater, von einer berühmten Schauspielerin einen Beschwerdebrief über die Sprunghaftigkeit seines Sohnes an den Ministerpräsidenten aufsetzen zu lassen, welcher sich daraufhin ankündigt, die Verwandlung Oms in einen Frosch zu besichtigen. Alle Filmteams des Landes kommen und drehen Werbespots für Zahnpasta. Gleichzeitig landet Neil Armstrong auf dem Mond.
Das Radio kommentiert dazu: Der erste Mann im All war Juri Gagarin. Er liebt Indien sehr.
Kamal Swaroops einziger Film arbeitet mit vielen, starken Symbolen, performativen Dialogreihen, visionsähnlichen Szenenbildern und einer ansehnlichen Schauspielerriege. Om-dar-ba-dar (etwa: Om hier und dort) ist ein wunderbarer Film über das Erwachsenwerden und -nichtwollen, über Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. Und letztendlich ein Film über die kulturelle und religiöse Ambivalenz Indiens.
Ein starkes Stück Film aus einem interessanten Land.
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