Sonntag, 4. November 2012

Oscar 2012: Gefährten (US, 2011)

Dieser Spielberg!!
Man hat das Gefühl, dass er irgendwie mit dem Krieg nicht fertig wird.

Selbst nach Schindlers Liste, Der Soldat James Ryan, Flags from our Fathers/Letters from Iwo Jima oder Das Reich der Sonne und zahlreichen gewonnenen Filmpreisen hat der wohl (auf lange Sicht gesehen) erfolgreichste Regisseur und Produzent anscheinend immer noch nicht alles rausgelassen, was er sich über den Krieg so für Gedanken macht.

Aber es ist unfair, mich über die Vorlieben amerikanischer Filmschaffenden auszulassen, sonst bin ich Schuld, wenn die eingeschnappt sind. Pah.

Gefährten ist eigentlich auch weniger ein Kriegs- oder Antikriegsfilm, mit der Bezeichnung täte man ihm Unrecht. Nein, War Horse, so der Originaltitel, ist eher Horse als War. Tatsächlich ist hier ein Pferd der tragische Held des Krieges. Er wird vom kleinen Albert großgezogen, um den Hof zu retten, in den Krieg verkauft, ist Fluchttier für deutsche Deserteure und Haustier für ein französisches Bauernmädchen, da wird er schon in der britischen Kavallerie eingesetzt und schließlich von den Deutschen richtiggehend als Zugtier "verbraucht". Vor dieser sicheren Todesfalle entflieht er und tut, mitten auf dem Schlachtfeld einen bedeutenden Schritt Richtung Frieden. Deutschland und England geben sich die Hand.

England nimmt das Pferd mit ins Lager. Dort ist auch der kleine Albert, welcher jetzt groß ist und blind. Man sieht sich im Leben immer zweimal. Pferd und Mensch sind, wie einst, vereint. Alles ist wieder gut.

Ja, War Horse ist eine moderne Wundergeschichte wie jede andere und könnte so unendlich kitschig sein, wären da zwischen dem Zischen der Mörsergranaten nicht diese leisesten Töne, die in vergleichbaren Filmen wie Der Bär oder Der Fuchs und das Mädchen noch so deutlich zu erkennen waren: Tiere können uns manchmal sehr an uns erinnern. Wir geben ihnen Namen und reden mit ihnen in unserer Sprache. Aber manchmal sagt ein Augenaufschlag oder Hufscharren mehr als hundert Menschenworte.

Deshalb rührt die Tierkriegsfilm-Mischung an, ohne zu beschämen.

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